Der LEH hat die Real-Märkte fast komplett absorbiert
05.06.2026: Von Christoph von Schwanenflug aus Ausgabe IZ 23/2026
Nachnutzung. In neun von zehn ehemaligen Real-Märkten werden heute wieder Lebensmittel verkauft. Das zeigt eine Auswertung der Investmentfirma Consent Retail Investment für die Immobilien Zeitung (IZ). Für Consent-Geschäftsführer Hubertus von Wrangel bestätigt die hohe Absorptionsquote den hohen Wert von SO-Gebieten für Investoren: „Die Sondergebiete, die Real freigemacht hat, haben sich als extrem werthaltig erwiesen.“
Immobilien Zeitung: Was hat Sie bewogen, eine Statistik über die Nachnutzungen der Real-Märkte zu erheben?
Hubertus von Wrangel: Wir haben 26 Jahre lang eine deutschlandweite Datenbank mit über 27.000 Handelsimmobilien aufgebaut. Wenn sich ein so großer Player imLebensmitteleinzelhandel (LEH) von der Bühne verabschiedet, dann hat das natürlich unser Interesse geweckt. Über die Jahre gab es auch viele Berührungspunkte mit Real, da wir an zahlreichen Refurbishments und Transaktionen mitgewirkt haben.
IZ: Was sticht Ihnen bei der Auswertung als Erstes ins Auge?
Wrangel: Als Metro Real 2020 an die SCP Group verkaufte, hatte Real noch 276 Filialen. Von diesen sind bis heute nur 13 ungenutzt geblieben oder stehen noch leer. Das sind 4%! Das heißt aus meiner Sicht zweierlei. Real ist nicht an seinen Standorten gescheitert. Zweitens: Die Sondergebiete (SO-Gebiete), die Real freigemacht hat, haben sich als extrem werthaltig erwiesen. Wir fühlen uns dadurch als Consent in unserer Philosophie, ausschließlich Lebensmittelmärkte in SO-Gebieten zu kaufen, bestätigt. Die SO-Gebiete sind unser heiligerGral.
IZ: Kaufland hat die meisten Standorte übernommen, wer hat die besten bekommen?
Wrangel: Das ist bei 276 Standorten kaum zu beurteilen. In puncto Quantität geht Kaufland ganz klar als Sieger vom Feld. Eine gute Expansionsabteilung schafft es pro Jahr, den Bestand an Verkaufsfläche um etwa 2% zu steigern. Kaufland hat in fünf Jahren 20% geschafft. Damit hat Kaufland in fünf Jahren das Pensum von zehn Jahren erledigt.
IZ: Hat Kaufland bei der Umstellung der Real-Märkte einen guten Job gemacht?
Wrangel: Kaufland ging es darum, die Standorte schnell zu übernehmen. Oft waren die Märkte nur zwei Wochen geschlossen. Viel mehr als eine Pinselsanierung ist da nicht drin. Bei Kaufland zählte Schnelligkeit. Das ist sicher keine schlechte Strategie. Edeka dagegen hat oft umfangreich umgebaut, die Center waren zum Teil lange geschlossen. Das Riedinger-Center in Bayreuth z.B. hatte zwei Jahre lang zu.
IZ: In der Lebensmittel Zeitung (LZ) war zuletzt zu lesen, dass Kaufland Deutschland ein Sorgenkind der Schwarz-Gruppe ist. Hat sich Kaufland an Real verschluckt?
Wrangel: Kaufland hat mit dem Großteil der Standorte meiner Meinung nach einen guten Griff getan. Ich glaube nicht, dass mögliche Probleme von Kaufland etwas mit der Real-Übernahme zu tun haben. Was ich aber feststelle, ist, dass Kaufland an vielen Standorten nachinvestieren muss. Dach, Haustechnik und Parkplätze sind die Stichpunkte. Alles in allem glaube ich aber, dass die Übernahme der 132 Real-Märkte Kaufland enorm vorangebracht hat. Das Unternehmen hat eine historische Expansionschance genutzt.
IZ: Globus sicherte sich 17 Standorte, hat aber inzwischen Essen, Bedburg, Chemnitz und Wesel an Kaufland weitergereicht. Hat sich Globus übernommen?
Wrangel: Ich würde sagen, ja. Damit meine ich aber nicht, dass Globus wirtschaftlich unvernünftig gehandelt hat. Es hat sich nur herausgestellt, dass Globus an den besagten Standorten von den Kunden nicht akzeptiert wurde. Globus ist darum wohl selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser ist, die Standorte abzugeben.
IZ: Wie haben sich Edeka und Rewe im Real-Poker geschlagen?
Wrangel: Da muss man differenzieren. Edeka Minden-Hannover hat in seinem Marktgebiet mehr Standorte übernommen als Kaufland! Edeka Nordbayern genauso viele. Andere Edeka-Regionalgesellschaften haben sich zurückgehalten und Kaufland sozusagen das Feld überlassen. Dass Rewe nur 30 Real-Standorte genommen hat, hängt wohl damit zusammen, dass Rewe keine Großflächen macht. Rewe fühlt sich zwischen 2.000 und 3.000 qm Verkaufsfläche am wohlsten.
IZ: Was sind die Gründe dafür, dass 13 ehemalige Real-Standorte noch brachliegen?
Wrangel: Das kann verschiedene Gründe haben: Mehrgeschossigkeit, schwierigeParkplatzsituation, große Wettbewerbsdichte.
IZ: Als der Verkauf von Real 2020 begann, gingen Sie davon aus, dass viele Städte die Umnutzungen der Märkte verzögern oder blockieren würden, um ihre Innenstädte zu schützen. Das ist offenbar nicht geschehen.
Wrangel: Sie haben Recht. An neun von zehn Real-Standorten werden heute oder in naher Zukunft wieder Lebensmittel verkauft. Ich weiß aber aus Gesprächen, dass die Aufteilung der Real-Märkte und die Vermietung an andere Händler oft nicht einfach war. Da gab es viele Diskussionen. Ich kenne einen Fall, da sagte das Bauamt zum Eigentümer: Wenn Sie in dem Real auch nur eine Wand verschieben, bekommen Sie eine Veränderungssperre. Der Standort ist bis heute noch nicht nachgenutzt.
IZ: Wie viele der 276 Real-Standorte wurden von den Händlern gekauft?
Wrangel: 65, das sind 23,5%. Kaufland hat mit 36 am häufigsten gekauft, es folgt Edeka mit19.
IZ: Derzeit werden die rund 300 Tegut-Märkte unter der Konkurrenz aufgeteilt. Glauben Sie,dass die Nachnutzungsquote ähnlich hoch sein wird wie bei Real?
Wrangel: Nicht ganz. Ich gehe davon aus, dass 80% der Standorte einen Nachnutzer aus dem Handel finden werden. Es kommen mehr Mieter dafür infrage. Außer Edeka und Rewe noch die fünf Discounter und vielleicht auch noch der ein oder andere regionale Betreiber. Zudem hat Tante Enso angekündigt, bis zu 36 Tegut-Märkte übernehmen zu wollen.
IZ: Herr von Wrangel, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Christoph von Schwanenflug.

